Grundsatzdokument № 1
Manifest der Schildbürger Partei
Verlesen bei Kerzenlicht. Das Licht kam durchs Fenster.
ernstem Kern
Unsere Grundthesen
Wir sind das Volk — und das Volk gehört gehört. Wir sind mehr als alle anderen zusammen: die Mehrheit in diesem Land. Und trotzdem haben ausgerechnet wir keine Lobby, kein Sekretariat, keinen Draht ins Bundeshaus. Wirtschaftsverbände, Konzerne, die Vermögenden und die selbsternannte Elite unterhalten bezahlte Vertretungen, die jede Tür öffnen — während die Mehrheit alle paar Monate abstimmen darf und den Rest der Zeit auf den Zuschauerplätzen sitzt. Wer mehr ist, aber schlechter organisiert und schlechter finanziert, wird überrollt: von der Elite, von den Reichen, von der organisierten Wirtschaft. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine Frage der Organisation — und die Antwort darauf sind wir.
Wir sind echte Schweizerinnen und Schweizer — Nachfahren jener, die sich Fürsten, Vögten und fremder Obrigkeit nicht gebeugt haben. Wilhelm Tell hat vor keinem Hut auf einer Stange den Kopf gesenkt. Heute haben sich manche gewählten Amtsträger selbst zu kleinen Fürsten erhoben: mit Lobbykalendern statt Bürgersprechstunden, mit Konzernnähe statt Rechenschaft. Es ist Zeit, dass sich das Volk wieder erhebt — nicht mit der Armbrust, sondern mit Transparenzpflicht, Rechenschaft und gesundem Menschenverstand. Wir haben keine Angst: weder vor euch noch vor dem Elite-Filz, in dem ihr verwickelt seid — und auch nicht vor der HSG St. Gallen und ihrem Beraterlatein.
Lobbykratie ist keine echte Demokratie. Wenn Verbände, Konzerne und ihre bezahlten Vertreter im Politikbetrieb mehr Gehör finden als jene, die ihn eigentlich wählen, ist das kein Betriebsunfall — das ist das Geschäftsmodell. Wir lassen uns nicht länger verarschen: Wir fordern, dass Lobbyisten aus dem Politikbetrieb exkludiert und das Volk endlich inkludiert wird — nicht umgekehrt.
Wir stehen für eine nachhaltige Kultur — und deren oberste Priorität ist ein nachhaltiger, zukunftsorientierter Umgang mit diesem Planeten. Nicht als Nebenrubrik neben der Wirtschaft, sondern als Bedingung, unter der alles andere überhaupt erst stattfindet: Es gibt keine Konjunktur auf einem unbewohnbaren Planeten und keine Rendite in einer Zukunft, die man vorher aufgebraucht hat. Ein Wirtschaftssystem, das Quartale zählt und Jahrhunderte verbraucht, ist kein Naturgesetz, sondern eine Fehlkonstruktion mit Krawatte. Wir wollen den Kapitalismus nicht abschaffen — wir wollen ihn in eine Zwangsjacke stecken: mit harten Leitplanken, echten Kosten statt ausgelagerter Schäden, Haftung für Folgen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen, die Erde, Klima und die nächsten zehn Generationen mitzählen. Ein Markt, der sich nicht selbst bremsen kann, gehört angeschnallt. Wer das für Ideologie hält, hat noch nie eine Rechnung gesehen, die erst unsere Enkel bekommen.
Der neue Adel verifiziert sich weder mit «von» noch mit «zu» — sondern mit den Nullen vor dem Komma. Titel braucht heute niemand mehr: Wer genug Vermögen hat, wird auch ohne Wappen behandelt wie ein Fürst. Dieser Adel streicht Subventionen ein, die aus unseren Steuern stammen, und zahlt selber eine Pauschale, die nach Verhandlungssache aussieht — für uns gilt der Tarif, für ihn der Deal. Und weil Geld allein noch nicht regiert, kauft er sich das, was regiert: Zeitungen, Sendeplätze, Plattformen, Algorithmen, Kampagnen, Studien und Berater. So wird zuerst die Politik beeinflusst und danach wir — bis wir freiwillig für Verhältnisse stimmen, die uns schaden und ihm nützen. Diesen Adel gilt es zu eliminieren: nicht die Menschen, sondern ihre Privilegien. Keine Pauschalbesteuerung, keine Subventionen ohne offengelegten Nutzen für die Allgemeinheit, keine verdeckten Beteiligungen an Medien, keine bezahlten Meinungen ohne Deklaration. Wer hier lebt, zahlt wie alle. Wer Einfluss nimmt, tut es mit offenem Visier. Der Adel wurde 1798 abgeschafft — es hat sich nur noch nicht bis zum Geld herumgesprochen.
Wir sind die Schildbürger Partei.
Nicht, weil wir die Dummheit feiern, sondern weil wir sie erkennen, wenn sie in Sitzungszimmern, Formularen, Verordnungen und PowerPoint-Präsentationen auftritt.
Wir glauben: Viele politische Probleme sind nicht links oder rechts. Sie sind unnötig kompliziert, schlecht erklärt oder schlicht nicht zu Ende gedacht.
Wir stehen für eine Schweiz, in der Regeln verständlich sind, Behörden digital funktionieren, Gemeinden pragmatisch handeln und politische Entscheidungen so erklärt werden, dass auch normale Menschen sie nachvollziehen können.
Unser Grundsatz ist einfach:
Wenn eine Lösung absurder ist als das Problem, ist sie ein Schildbürgerstreich.
Darum fordern wir:
- Weniger Bürokratie für kleine, vernünftige Vorhaben.
- Verständliche Behördenkommunikation ohne Amtsnebel.
- Digitale Verwaltung, die nicht aus ausdruckbaren PDFs besteht.
- Transparente Kosten und klare Verantwortlichkeiten.
- Regeln, die zuerst an der Realität getestet werden.
- Mehr gesunden Menschenverstand in Gemeinde, Kanton und Bund.
- Lösungen, die auch in und für zehn Generationen noch funktionieren.
- Wirtschaftlichkeitsrechnungen, welche die Ausbeutung der Erde und den Klimawandel miteinbeziehen.
- Visionen über mindestens zehn Jahre von jeder Partei und jeder Politikerin und jedem Politiker — an denen sie auch gemessen werden.
- Mehr Vermittlung und Anwendung von gesundem Menschenverstand — und von einem Gefühl dafür, was für alle und für zukünftige Generationen nützlich sein könnte.
- Steuern nach denselben Regeln für alle — keine Pauschalbesteuerung, keine ausgehandelten Sondertarife für Vermögende.
- Subventionen nur mit offengelegtem Nutzen für die Allgemeinheit — mit Empfänger, Betrag und Zweck öffentlich einsehbar.
- Offenlegung aller Medieneigentümer, Beteiligungen und Kampagnenfinanzierungen — und Deklarationspflicht für bezahlte Meinungen, Studien und Beratungen.
- Eine Berichtspflicht für Medien: alle zwei Monate ein halbseitiger Artikel — bei Hör- und Sehmedien 30 Minuten Sendezeit — über die eigenen und fremden Verflechtungen, Beteiligungen und Kooperationen. Wer über Transparenz schreibt, soll sie zuerst an sich selbst vorführen.
Fachkräftemangel oder Lohnverweigerung?
Der sogenannte Fachkräftemangel ist in vielen Branchen kein Naturereignis, sondern ein hausgemachtes Problem.
Unternehmen klagen über fehlende Fachkräfte, während sie gleichzeitig Löhne drücken, Dividenden ausschütten, Boni verteilen, Personal abbauen, Lehrstellen vernachlässigen, ältere Mitarbeitende aussortieren und von jungen Menschen verlangen, für Einstiegsstellen bereits fünf Jahre Erfahrung, Bachelor, Master, Zertifikate und unbezahlte Leidenschaft mitzubringen.
Hört auf zu weinen und beginnt fair zu sein. Wer gute Leute will, muss gute Löhne zahlen. Wer Erfahrung will, muss Ausbildung finanzieren. Wer Loyalität will, muss Sicherheit bieten. Wer Leistung will, muss die Menschen respektieren, die sie tatsächlich erbringen.
Nicht die Teppichetage erwirtschaftet den Umsatz. Nicht der Verwaltungsrat bedient Kunden. Nicht die Bonuskommission repariert Maschinen. Nicht das Strategiepapier pflegt Patienten. Nicht die PowerPoint-Folie programmiert Software. Nicht das Management-Offsite fährt Bus, schneidet Haare, baut Häuser, unterrichtet Kinder oder hält die Infrastruktur am Laufen.
Die Fussmannschaft erwirtschaftet den Umsatz.
Darum fordern wir:
- Faire Löhne statt Fachkräftemangel-Gejammer.
- Tiefere Dividenden, wenn gleichzeitig Personal fehlt oder schlecht bezahlt wird.
- Eine Begrenzung von Boni, solange Löhne, Ausbildung und Arbeitsbedingungen nicht stimmen.
- Transparente Lohnverhältnisse zwischen Teppichetage und Fussmannschaft.
- Bessere Lehrlingsausbildung und echte Nachwuchsförderung.
- Wiedereinstieg und Weiterbildung für ältere Mitarbeitende statt Wegwerfpersonalpolitik.
- Keine Bachelor-Pflicht für jede durchschnittliche Stelle.
- Keine künstlichen Stellenprofile, die normale Arbeit akademisch aufblasen.
- Mindeststandards für planbare Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz und Vereinbarkeit.
- Die öffentliche Kennzeichnung von Unternehmen, die über Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig Dividenden und Spitzenboni erhöhen.
Wer keine Fachkräfte findet, sollte zuerst prüfen, ob er Fachkräfte wie Menschen behandelt.
Unser Leitsatz lautet: Fachkräftemangel beginnt dort, wo faire Löhne enden und Dividenden wichtiger werden als die Leute, die den Laden tragen.
Wir tragen Licht ins Rathaus.
Aber nicht in Säcken.
Abb. 1: Genehmigtes Verfahren zum Lichttransport (nicht sackbasiert).